






/// Abstract
Erden ist ein vielschichtiger Begriff. Er steht für Materialität und Verankerung, für Rückbindung und Verantwortung. Erden meint einerseits das konkrete Arbeiten mit Erde – als Baustoff, als Grundlage des Lebens, als Ressource, mit der sorgfältig umzugehen ist. Es meint zugleich ein Sich-Erden: die Suche nach Orientierung in einer Welt im Wandel, das bewusste Innehalten, das Reflektieren über die eigene Position – räumlich, ökologisch, gesellschaftlich. Und schließlich verweist erden auf die Erde selbst – als gemeinsamer Lebensraum, als komplexes, verletzliches System, das nicht länger im Modus der Ausbeutung, sondern im Sinne der Regeneration gedacht und gestaltet werden muss.
In allen drei Dimensionen – der Erde als Stoff, als Haltung, als Welt – berührt der Begriff grundlegende Fragen der Gestaltung: Wie arbeiten wir mit dem, was uns umgibt? Was bedeutet es, Verantwortung zu übernehmen für das, was wir tun, bauen, forschen, erzählen? Und wie kann aus dieser Verantwortung eine neue Form des Miteinanders entstehen?
Regenerative Ansätze in Architektur, Kunst und Wissenschaft nehmen diese Fragen ernst. Sie suchen nach Praktiken, die nicht nur weniger schaden, sondern aktiv heilen, verbinden, erhalten, weitertragen. Erden ist in diesem Sinne kein Rückzug in das Ursprüngliche – sondern ein Entwurf in Richtung Zukunft: eine Haltung, die Zirkularität nicht als technischen Prozess, sondern als kulturelle, soziale und gestalterische Praxis versteht.
Positionen & Perspektiven
Diese Fragen stehen im Zentrum des Symposiums „erden“ – und in den Arbeiten von drei Frauen, die aus unterschiedlichen disziplinären Kontexten kommen und doch in einem gemeinsamen Anliegen verbunden sind: die Erde nicht nur als Hintergrund, sondern als aktiven Mitgestalter unserer Gegenwart und Zukunft zu begreifen.
Anna Heringer sieht Architektur als soziales Werkzeug – nicht als Formengenerator, sondern als Möglichkeit, das Leben vieler zu verbessern. In ihrem Buch Form follows Love formuliert sie eine Haltung, die Gestaltung als Ausdruck von Verantwortung, Nähe und Vertrauen versteht. Ihre Bauten aus Lehm stehen exemplarisch für eine regenerative Praxis, die auf lokale Materialien und Gemeinschaften setzt – und damit ein anderes Verhältnis zur Erde als Baustoff und Träger kultureller Identität vorschlägt.
Sandra Knecht verbindet in ihrer künstlerischen Praxis Fotografie, Objekt, Installation, Sprache und Kulinarik zu dichten Erzählräumen. Im Zentrum steht das Verhältnis von Mensch, Tier und Landschaft – und die Frage, wie Zugehörigkeit, Identität und Lebensraum heute verhandelt werden. Ihre Arbeiten, zuletzt dokumentiert in Babel, thematisieren das Ausgegrenzte, das Verwischte, das Nicht-Normierte. Sie fragt: Wie viel Diversität erträgt eine Gesellschaft? Was bedeutet Heimat im Anthropozän?
Lynn Harles denkt Gestaltung als Forschung an den Schnittstellen von Ökologie, Kultur und Zukunftspolitik. In ihrer Arbeit beleuchtet sie das kritische Verhältnis von Design und Wissenschaft – als auch Natur und Mensch: Können wir menschen-zentrierte Denkstrukturen aufbrechen? Wie können indigene Wissenskulturen in der Gestaltung berücksichtigt werden? Wie lassen sich dekolonisierte Naturkundemuseen als lebendige, sich wandelnde Speicher für bioregionalen Wissens begreifen – als Resonanzräume für Gestaltung? Harles verbindet systemisches Denken mit gestalterischer Imagination – unter anderem durch experimentelle Formate, die wissenschaftliches Arbeiten mit gestalterischer Praxis verweben. Biodesign, partizipative Szenarien und narrative Interventionen gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie langfristige Beobachtungen in konkreten Lebensräumen.
Konzept: Julia Hinderink
/// Programm
16:30 Uhr Begrüßung
Julia Hinderink
16:40 Uhr Impulse und Gemüseschneiden
Anna Heringer
Sandra Knecht
Lynn Harles
Moderation: Eva Maria Herrmann
18:00 Uhr Kochgespräch
19:00 Uhr Gemeinsames Abendessen
21:00 Uhr Ausklang
alle Fotos: Maxine Hinderink, Markus Schaub
Herzlichen Dank an unsere Unterstützer Schnitzer&
Dank an die BHB Unternehmensgruppe und MUCBOOK LOCI für die tolle Location